Das Stipendienprojekt

Das Stipendienprojekt des Nicaraguavereins gibt es seit 1999. Inzwischen wird damit den Kindern von 100 Familien in SFL durch regelmäßige Unterstützung für den Unterhalt und Schulmaterial der Schulbesuch ermöglicht. Der Kontakt zwischen den StipendiatInnen und ihren UnterstützerInnen wird durch den Wegfall der weltwärts-Freiwilligen durch Vereinsmitglieder organisiert.


Unterstützt wird das Projekt derzeit von insgesamt 10 Schulklassen der Helene-Lange Schule, aber auch zahlreiche Privatpersonen haben Stipendien übernommen. Leider sind in der Zeit der Corona-Pandemie viele Schulklassen weggebrochen. Daher werden derzeit 60 Stipendien von der englischen Partnerorganisation des Vereins in Reading finanziert, aber die ist nur eine Übergangslösung. Wir sind derzeit auf der Suche nach weiteren Schulklassen oder Privatpersonen, die ein Stipendium übernehmen möchten.

Neues im Stipendienprojekt- aktuell seit Januar 2026

Ab dem 01.01.2026 werden die Stipendien von 300 C$ (Córdoba) auf 20$ (US-Dollar) erhöht. Diese Möglichkeit verdanken wir unserem Kooperationspartner, der Freundschaftsbrücke Ettlingen. Sie stellen die dafür notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung und übernehmen auch noch 7 Stipendien vollständig. Diese großzügige finanzielle Unterstützung ist an eine kleine Bedingung geknüpft. In Zukunft werden die Familien kein Bargeld mehr erhalten, sondern einen Korb mit Produkten des alltäglichen Lebens (Bohnen, Reis, Hygieneprodukte u.a.). Wir freuen uns schon darauf, den Familien diese zusätzliche Unterstützung zukommen zu lassen. Alles weitere, wie z. Bsp. der Briefkontakt mit den zugeordneten Spender*innen, wird sich nicht ändern.

Auch im Namen von APREDEN und den Familien möchten wir uns hier an dieser Stelle nochmals herzlich bei der Freundschaftsbrücke Ettlingen für diese Unterstützung bedanken.

 

Wie können Sie das Stipendienprojekt unterstützen?

Wenn Sie daran interessiert sind, das Stipendienprojekt zu unterstützen, wenden Sie sich an uns.

Goldregenweg 16, 26133 Oldenburg
Tel. / Fax: 0441 / 486274
E-Mail:

Was ist das Stipendienprojekt?

In Nicaragua gibt es theoretisch eine allgemeine Schulpflicht für den Besuch der 6-jährigen Grundschule (primaria). Der Unterricht wird ist fast jedem Dorf der Gemeinde San Francisco Libre angeboten. Aufgrund der sozialen Situation, da weit über die Hälfte der Menschen in Armut lebt, fällt es aber vielen Familien schwer, ihren Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen.

 

Die Familien können häufig weder die notwendigen Ausgaben für die Arbeitsmittel aufbringen, noch auf die Arbeitskraft ihrer Kinder zur Finanzierung des Lebensunterhalts verzichten. Auch jüngere Kinder übernehmen regelmäßig häusliche Aufgaben wie etwa kochen, waschen, putzen, auf die Geschwister aufpassen, selbst hergestellte Speisen auf der Straße verkaufen, Wasser holen oder auch Holz fällen und auf dem Feld arbeiten. So brechen viele Kinder trotz der bestehenden Schulpflicht ihre Schullaufbahn noch vor Beendigung der primaria ab.

 

Der Besuch der weiterführenden Schule (Secundaria) von Klasse 7 bis 11 ist freiwillig und wird im ganzen Gebiet SFLs nur in drei Orten angeboten. Die Jugendlichen müssen häufig weite Wege in der heißen Sonne Nicaraguas in Kauf nehmen, um die Schule zu erreichen. Außerdem fallen hier zusätzliche Kosten für den Schulbesuch und die Schuluniform an, und auf die Arbeitskraft der älteren Kinder können die Familien noch seltener verzichten. Entsprechend haben bedeutend weniger Kinder die Gelegenheit, diese Schule zu besuchen. Ein erfolgreicher Abschluss der Secundaria ist aber die Voraussetzung für eine Ausbildung an einer der Universitäten Nicaraguas. Hier finden auch die mit den deutschen Lehrberufen vergleichbaren Ausbildungen statt, die eine spätere Arbeit in einem Ausbildungsberuf und somit einen Weg aus der Armut ermöglichen.

 

Die Idee, mit der Arbeit des Nicaraguavereins an diesem Problem anzusetzen und die Familien zu unterstützen, um ihren Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen, entstand 1998 bei einer Reise von Oldenburger Jugendlichen in den Landkreis San Francisco Libre. Die Jugendlichen, die zum Teil Mitglieder der damaligen  SchülerInnenvertretung der Helene Lange Schule waren, machten den Vorschlag, dass Oldenburger Schulklassen und Privatpersonen Stipendien übernehmen und in einen persönlichen Austausch mit den Stipendiaten treten könnten.

 

Seit dem Beginn des Projekts haben viele Einzelpersonen und zahlreiche Klassen der Gesamtschulen Helene-Lange-Schule, Flötenteich, Fürstenau und KGS Rastede, des Alten Gymnasiums und der Graf Anton Günther Schule sowie die Grundschulen Haarentor, Babenend und Westerloy diese Idee aufgegriffen und Stipendien unterstützt. Vermittelt über den Nicaragua-Verein spenden die SchülerInnen monatlich oder veranstalten Aktionen an ihren Schulen, um das Stipendium zu finanzieren.

 

Zurzeit werden so insgesamt 100 Familien mit einem Stipendium unterstützt. Darunter sind jedoch mehrere Familien, deren längerfristige Förderung bis zum Ende der Schullaufbahn ihrer Kinder noch nicht garantiert ist. Darüber hinaus gibt es eine lange Warteliste mit bedürftigen Familien.

 

 

schule_fiana
Leseübung
Schüler in Schuluniform
Auswahl der Familien
Die Auswahl der Familien

Die Auswahl der Familien, die ein Stipendium erhalten, trifft die örtliche Partnerorganisation des Nicaragua-Vereins APREDEN. So soll gewährleistet werden, dass die Unterstützung die bedürftigsten Familien der Gemeinde erreicht. Bis 2018 hat die Betreuung des Projektes jeweils für ein Jahr eine/r der vier Freiwilligen aus der Region Oldenburg, die im Rahmen des entwicklungspolitischen Dienstes „weltwärts“ für den Nicaraguaverein Oldenburg in San Francisco Libre arbeiten. übernommen. Sie/er wurde darauf vom Nicaragua-Verein vorbereitet und vor Ort von einer/m Verantwortlichen von APREDEN betreut. Nun wird die Arbeit ausschlielich von Manuel Vallejos übernommen. Eigentlich wurde jeweils zu Beginn des Monats den Familien das Geld in der Bibliothek, die auch das Zentrum der Vereinsarbeit darstellt, im Hauptort der Gemeinde SFL ausgezahlt. Aufgrund der politischen Situation können wir nicht mehr exakt sagen, wann wir die Gelder überweisen können. Dementsprechend findet auch die Auszahlung dann statt, wenn APREDEN das Geld mit behördlicher Genehmigung von uns erhalten durfte.

 

Außer der monatlichen finanziellen Unterstützung erhalten die Stipendiaten regelmäßig Schulhefte und Stifte.

Während des ganzen Jahres besucht Manuel die StipendiatInnen und ihre Familien regelmäßig, spricht mit ihnen über die schulische und familiäre Situation und organisiert den Austausch von StipendiatInnen und UnterstützerInnen. In enger Kooperation zwischen APREDEN und dem Nicaragua-Verein Oldenburg wird gewährleistet, dass die ausgewählten Familien eine dauerhafte Unterstützung bis zum Ende der Schullaufbahn ihrer Kinder erhalten können.

Hier muss Maynor taeglich Wasser holen
Die Kochstelle der Familie Urbina
Maynors Neffe vor der Kochstelle
Fotos und ein Stipendiatienbrief an eine Schulklasse

Maynor Urbina, 26.07.11


Liebe Klasse 7b,

Ich bin gestern nach San Ramon, eins der abgelegensten Ortsteile hier in San Francisco Libre, gefahren und habe Maynor besucht. Momentan ist der Weg vom Hauptort aus noch gut passierbar, aber wenn es Mitte August in die intensive Phase der Regenzeit kommt, wird es schwer nach San Ramon zu gelangen, da der Weg dorthin sehr schlammig wird.

 

Als ich bei  Maynors Haus  ankam, war er gerade am Strand spielen. Da es im letzten Jahr in der Regenzeit mehr als ueblich geregnet hat, waren mehrere Ortsteile San Francisco Libres von einer Ueberschwemmung des Managuasees betroffen; so auch San Ramon. Der Managuasee reichte letztes Jahr im September noch bis in den Garten von Maynors Familie und ueberschwemmte den Brunnen. Mittlerweile ist der See durch die Trockenzeit aber wieder zurueckgegangen und grenzt nun an den Garten. Somit hat Maynor einen Strand zum spielen direkt vor seiner Haustuer. Als Maynors Vater ihn herholte, erzaehlte Maynor mir, dass er sehr gerne mit seinen Freunden am Strand spielt und dort am liebsten auf den Baeumen klettert, die durch die Ueberschwemmung zur Haelfte aus dem Wasser herausragen.

Nach dem ausruhen, spielt Maynor am liebsten mit seinen Freunden, Geschwistern oder Cousins. „Zu seinen Hausaufgaben muss ich Maynor immer draengen, sonst wuerde er den ganzen Tag nur spielen“, sagte die Mutter schon ein wenig aergerlich.


Maynors Lieblingsessen ist frittiertes Huehnchen mit Gallo Pinto (uebersetzt: Bunter Hahn, typisch nicaraguanisches Essen aus Reis und Bohnen) und Cuajada (ein sehr intensiver einheimischer Kaese). Den Cuajada macht Maynors Mutter selbst. Die Milch dafuer holt sie von Maynors Grossvater, der vier Kuehe besitzt. Nachdem wir uns von der Familie verabschiedeten, gab sie uns sogar ein wenig von ihrem selbstgemachten, sehr leckeren Cuajada mit und versorgte uns somit gut fuer die anstrengende Rueckfahrt aus San Ramon.statt.

 

Maynors Schwester Cindy
Maynors_Garten
v.l. Maynors Mutter, Maynors Neffe, Maynor, Maynors kleiner Bruder Andy, Josseling (Zustaendige fuer das Stipendiatenprojekt), ich und Maynors kleine Schwester Cindy
Neues Projekt „Studienstipendien“ (inzwischen beendet s. u.)

 

In 13 Jahren Stipendienprojekt konnten zahlreiche Kinder und Jugendliche in San Francisco Libre mit Unterstützung aus Oldenburg die Schule besuchen und mit einem Abschluss erfolgreich beenden.


Die Aufnahme einer dauerhaften und angemessen entlohnten Erwerbstätigkeit ist jedoch in Nicaragua mit dem allgemein bildenden Abschluss allein nur selten möglich. Trotz einer guten schulischen Bildung sind viele, so auch einige ehemalige StipendiatInnen des Nicaragua-Vereins, arbeitslos oder gezwungen, in völlig ungesicherten Beschäftigtenverhältnissen und unter extremen Arbeitsbedingungen wie z.B. in den Weltmarktfabriken der Freihandelszonen, zu arbeiten oder im Ausland nach Arbeit zu suchen, um den Lebensunterhalt der Familie zu sichern.

Deshalb wurde im Nicaragua-Verein schon seit längerer Zeit die Option diskutiert, das Stipendienprojekt zu erweitern und auch für Ausbildungen an einer Universität Unterstützungen zu organisieren, die den jungen Menschen eine berufliche Zukunft ermöglichen können. 


Durch den engen Kontakt, der sich zwischen einigen StipendiatInnen und ihren UnterstützerInnen, den Freiwilligen, die im Projekt gearbeitet hatten, oder ihren Verwandten bzw. den TeilnehmerInnen von Jugendreisen und/oder Vereinsmitgliedern entwickelt hatte, wurde dies 2011 möglich. Es hat sich aber nach kurzer Zeit herausgestellt, dass die Förderung von Studienstipendien sich nicht fair gestalten ließ, da diese von dem Kontakt zwischen Stipendiat*in und Spender*in abhing. Es gab keine transparente Auswahl und die Stipendiat*innen ohne festen Kontakt in Deutschland waren ohnehin strukturell von dieser Förderung ausgeschlossen. Daher haben wir eine solche Förderung beendet und den Spender*innen Wege aufgezeigt diese Förderung selber privat zu organisieren. Insgesamt gab es aber mehrere Menschen, die von einem solchen Studienstipendium profitiert haben. Ein Beispiel wird im folgenden vorgestellt.

 

Sonia Diaz - ein Kurzporträt und ein Brief der ehemaligen Schulstipendiatin, die danach ein Studienstipendium erhalten hat
Sonia Diaz

Sonia ist mit 21 Jahren die aelteste Tochter von Esperanza Vicenta Ordoñez Castellón und Cipriano Diaz Valle.  Sie hat jahrelang unter der Woche gearbeitet und ist samstags zur Schule gegangen; letztes Jahr hat sie nun ihr Abitur bestanden.  Ihre drei Geschwister gehen weiter zur Schule:  Samuel mit 19 Jahren in das fuenfte Jahr der Sekundarstufe II (=12. und damit letzte Klasse), Herminia mit 16 in die achte und die 13-jaehrige Griselda in die sechste Klasse.


Sonia wohnt zusammen mit ihrem Ehemann Sergio Miranda und der zweijaehrigen Tochter Darmali in Los Pochotillos.  Sie arbeitet wochentags von 8 bis 11.30 Uhr in einer Vorschule der Gemeinde mit zehn Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren.  Dort kriegt sie allerdings kein Gehalt, sondern nur eine kleine Hilfe, die (manchmal) alle drei Monate ankommt.  Bis vor Kurzem hat sie zusammen mit ihrem –damals- Freund bei den Eltern gewohnt, aber der Vater hat gefordet, dass sie heiraten und ausziehen.  Also sind sie vor einem Jahr in ein eigenes Haus genau nebenan umgezogen, doch anstelle des Daches gibt es bisher nur eine Plastikfolie.  Denn Sergio hat seine Arbeit verloren und hilft nun ohne festen Lohn auf dem Land seines Vaters und des Schwiegervaters aus, sät Mais und Bohnen.
 

Sonia erzaehlt von einem normalen Tag in ihrem Leben:

„Ich wache morgens um vier Uhr auf, setze mich im Bett auf und bete zu unserem Herrn.  Dann stehe ich auf, um das Frühstueck vorzubereiten.  Als erstes bringe ich das Feuerholz zum Brennen und wasche den Mais, um damit Tortillas zu machen.  Schon früh koche ich ausserdem den Reis für den ganzen Tag und Bohnen für zwei Tage.  Sergio steht um fünf Uhr auf, holt Wasser vom Fluss, wäscht sich, frühstückt und geht bis mittags aufs Feld arbeiten.


Darmali und ich frühstuecken zusammen, ich wasche ab, fege, mache sauber, wasche die Wäsche und samstags bügele ich. Dann dusche ich, bringe Darmali in den Kindergarten und gehe in die Vorschule.  Wenn ich zurück nach Hause komme, mache ich das Mittagessen warm. Wir essen und ruhen uns ein bisschen in der Hängematte aus, so bis zwei Uhr.  Nachmittags muss ich den Unterricht planen und um vier Uhr bereite ich das Abendessen zu.  Nach dem Essen gehen wir zu den Nachbarn und unterhalten uns.  Bei meiner Halbschwester gucken wir eine Stunde Fernsehen, denn sie hat eine Solarzelle. Und um acht Uhr gehen wir schlafen.


In der Vorschule machen wir ganz verschiedene Sachen. Zum Beispiel gestalten wir „Ecken der Natur“ mit Zeitungspapierresten oder mit Büchern, die nicht mehr zu gebrauchen sind. Wir schneiden Papierschnitzel aus und kleben diese auf. Und wir machen Kollagen mit den Bildern der Kinder und mit den Blättern von Bäumen und manchmal basteln wir Instrumente aus Pflanzen.  Es gibt z.b. eine Frucht, Jícaro, die rund und stabil ist, fast wie ein Holz.  Daraus kann man gut Trommeln machen.

Darmali, Sonia und Sergio vor ihrem Haus
Sonia u. ihre Tochter Darmali
Sonia´s Haus

Leider fehlt uns ziemlich viel.  Wie haben überhaupt keine Kinderbücher zum Vorlesen oder Angucken.  Früher hatten wir mehr Materialien, aber jetzt fehlt dafür das Geld.  Aber immerhin ist noch weißes Papier und Tusche übrig.“


Unter der Woche wird Sonia weiter unterrichten und für das Studium ab Juni jeden Samstag mit dem Bus nach Managua fahren. Eigentlich hätte sie dieses Jahr als Schulabgängerin noch gar nicht Lehramt studieren dürfen, denn der Staat hat festgelegt, dass erst einmal alle Lehrer ihr Studium nachholen müssen.  Früher war kein Studium notwendig, denn nach der Revolution haben im Rahmen der Alphabetisierung einfach diejenigen, die schon schreiben und lesen konnten, es den anderen in der Schule gezeigt.  Doch da Sonia schon fünf Jahre lang in der Vorschule unterrichtet hat, erst komplett freiwillig, dann mit jener unregelmässigen Bezahlung, wird sie als Lehrerin anerkannt und ihr das Studium ermöglicht.

Wenn sie in drei Jahren ihren Abschluss in der Tasche hat, möchte sie in der Grundschule in ihrem Dorf unterrichten.