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Das Stipendienprojekt

Das Stipendienprojekt des Nicaraguavereins gibt es seit 1999. Inzwischen wird damit den Kindern von 100 Familien in SFL durch regelmäßige Unterstützung für den Unterhalt und Schulmaterial der Schulbesuch ermöglicht. Der Kontakt zwischen den StipendiatInnen und ihren UnterstützerInnen wird jeweils von einer/m der weltwärts-Freiwilligen organisiert.


Unterstützt wird das Projekt derzeit von insgesamt 40 Schulklassen der Gesamtschulen Helene-Lange Schule, Flötenteich, Fürstenau und KGS Rastede, des Alten Gymnasiums und der Graf-Anton-Günther-Schule sowie der Grundschulen Haarentor, Westerloy und Babenend, aber auch zahlreiche Privatpersonen haben Stipendien übernommen. 15 Stipendien werden von der englischen Partnerorganisation des Vereins in Reading finanziert, aber es gibt auch mehrere noch nicht dauerhaft finanziell abgesicherte Stipendien.

 

Schule in Pacora

Was ist das Stipendienprojekt?

In Nicaragua gibt es theoretisch eine allgemeine Schulpflicht für den Besuch der 6-jährigen Grundschule (primaria). Der Unterricht wird ist fast jedem Dorf der Gemeinde San Francisco Libre angeboten. Aufgrund der sozialen Situation, da weit über die Hälfte der Menschen in Armut lebt, fällt es aber vielen Familien schwer, ihren Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen.

 

Die Familien können häufig weder die notwendigen Ausgaben für die Arbeitsmittel aufbringen, noch auf die Arbeitskraft ihrer Kinder zur Finanzierung des Lebensunterhalts verzichten. Auch jüngere Kinder übernehmen regelmäßig häusliche Aufgaben wie etwa kochen, waschen, putzen, auf die Geschwister aufpassen, selbst hergestellte Speisen auf der Straße verkaufen, Wasser holen oder auch Holz fällen und auf dem Feld arbeiten. So brechen viele Kinder trotz der bestehenden Schulpflicht ihre Schullaufbahn noch vor Beendigung der primaria ab.

 

Der Besuch der weiterführenden Schule (secundaria) von Klasse 7 bis 11 ist freiwillig und wird im ganzen Gebiet SFLs nur in drei Orten angeboten. Die Jugendlichen müssen häufig weite Wege in der heißen Sonne Nicaraguas in Kauf nehmen, um die Schule zu erreichen. Außerdem fallen hier zusätzliche Kosten für den Schulbesuch und die Schuluniform an, und auf die Arbeitskraft der älteren Kinder können die Familien noch seltener verzichten. Entsprechend haben bedeutend weniger Kinder die Gelegenheit, diese Schule zu besuchen. Ein erfolgreicher Abschluss der secundaria ist aber die Voraussetzung für eine Ausbildung an einer der Universitäten Nicaraguas. Hier finden auch die mit den deutschen Lehrberufen vergleichbaren Ausbildungen statt, die eine spätere Arbeit in einem Ausbildungsberuf und somit einen Weg aus der Armut ermöglichen.

 

Die Idee, mit der Arbeit des Nicaraguavereins an diesem Problem anzusetzen und die Familien zu unterstützen, um ihren Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen, entstand 1998 bei einer Reise von Oldenburger Jugendlichen in den Landkreis San Francisco Libre. Die Jugendlichen, die zum Teil Mitglieder der damaligen  SchülerInnenvertretung der Helene Lange Schule waren, machten den Vorschlag, dass Oldenburger Schulklassen und Privatpersonen Stipendien übernehmen und in einen persönlichen Austausch mit den Stipendiaten treten könnten.

 

Inzwischen haben viele Einzelpersonen und zahlreiche Klassen der Gesamtschulen Helene-Lange-Schule, Flötenteich, Fürstenau und KGS Rastede, des Alten Gymnasiums und der Graf Anton Günther Schule sowie die Grundschulen Haarentor, Babenend und Westerloy diese Idee aufgegriffen. Vermittelt über den Nicaragua-Verein spenden die SchülerInnen monatlich oder veranstalten Aktionen an ihren Schulen, um das Stipendium zu finanzieren.

 

Zurzeit werden so insgesamt 100 Familien mit einem Stipendium unterstützt. Darunter sind jedoch mehrere Familien, deren längerfristige Förderung bis zum Ende der Schullaufbahn ihrer Kinder noch nicht garantiert ist. Darüber hinaus gibt es eine lange Warteliste mit bedürftigen Familien.

 

Leseübung
Schüler in Schuluniform
Mütter vor der Bibliothek
Die Auswahl der Familien

Die Auswahl der Familien, die ein Stipendium erhalten, trifft die örtliche Partnerorganisation des Nicaragua-Vereins APREDEN in Zusammenarbeit mit VertreterInnen der Schulen, der Gemeinde und anderer vor Ort tätiger Hilfsorganisationen. So soll gewährleistet werden, dass die Unterstützung die bedürftigsten Familien der Gemeinde erreicht.Die Betreuung des Projektes übernimmt jeweils für ein Jahr eine/r der vier Freiwilligen aus der Region Oldenburg, die im Rahmen des entwicklungspolitischen Dienstes „weltwärts“ für den Nicaraguaverein Oldenburg in San Francisco Libre arbeiten. Sie/er wird darauf vom Nicaragua-Verein vorbereitet und vor Ort von einer/m Verantwortlichen von APREDEN betreut.Jeweils zu Beginn des Monats holen die Familien das Geld in der Bibliothek, die auch das Zentrum der Vereinsarbeit darstellt, im Hauptort der Gemeinde SFL ab. Die Auszahlung (in der Landeswährung Cordoba) übernimmt die/der weltwärts-Verantwortliche zusammen mit der ständigen nicaraguanischen Mitarbeiterin Jhosselin.

 

Außer der monatlichen finanziellen Unterstützung erhalten die Stipendiaten regelmäßig Schulhefte und Stifte.

Während des ganzen Jahres besucht die/der Freiwillige die StipendiatInnen und ihre Familien regelmäßig, spricht mit ihnen über die schulische und familiäre Situation und organisiert den Austausch von StipendiatInnen und UnterstützerInnen. In enger Kooperation zwischen APREDEN und dem Nicaragua-Verein Oldenburg wird gewährleistet, dass die ausgewählten Familien eine dauerhafte Unterstützung bis zum Ende der Schullaufbahn ihrer Kinder erhalten können.

 

Die Hochwassersituation und das Stipendienprojekt

Die Hochwassersituation in SFL 2011 hat auch die Arbeit im Stipendienprojekt zeitweise stark geprägt. Die Freiwilligen waren im letzten Jahr für mehrere Monate nicht im Ort, und bei ihrer Rückkehr hatten viele Familien ihre Häuser verlassen. So gestaltete sich die Kontaktaufnahme mit den StipendiatInnen und erst recht der Kontakt nach Deutschland ein halbes Jahr lang sehr schwierig bzw. fand praktisch nicht statt. In dieser für alle Beteiligten unbefriedigenden Situation wurde aber auch die sichere Basis deutlich, auf der das Projekt inzwischen steht. In San Francisco Libre bekamen alle Familien jeden Monat zuverlässig von unserer nicaraguanischen Mitarbeiterin Josselyn das Stipendiengeld ausgezahlt, und in Deutschland zeigten die SchülerInnen und PrivatspenderInnen des Projekts viel Geduld und Verständnis für die problematische Kontaktsituation. Dafür ein herzlicher Dank an alle UnterstützerInnen!

Hochwasserschäden
Kontakt von StipendiatInnen und Unterstützer/innen

Während des ganzen Jahres besuchen die MitarbeiterInnen des Vereins, die jeweils im Rahmen des weltwärts-Dienstes die Verantwortung für das Stipendienprojekt übernommen haben, die StipendiatInnen und ihre Familien, sprechen mit ihnen über die schulische und familiäre Situation und organisieren den Austausch von StipendiatInnen und UnterstützerInnen. Sie machen Fotos, erzählen vom Alltag der StipendiatInnen, schreiben gemeinsam mit Ihnen Briefe und schicken alles –da es in der Bibliothek einen PC und inzwischen fast durchgehend eine Stromversorgung gibt- per Mail nach Oldenburg. Auch die deutschen UnterstützerInnen senden ihre Antworten direkt oder vermittelt über den Nicaragua-Verein an den/die Stipendien-BetreuerIn.


Zurzeit wird das Stipendienprojekt von Regina Kalysch aus Rastede betreut. Seit einigen Wochen wird sie dabei von Nora Tormann unterstützt, die hauptsächlich für das Projekt Jugendarbeit verantwortlich ist.

 

Fotos und ein Stipendiatienbrief an eine Schulklasse
Kooperation zum Thema „Globales Lernen“
Ein Stipendiatenbrief

 

Maynor Urbina, 129 HLS                               26.07.11


Liebe Klasse 7b,
Ich bin gestern nach San Ramon, eins der abgelegensten Ortsteile hier in San Francisco Libre, gefahren und habe Maynor besucht. Momentan ist der Weg vom Hauptort aus noch gut passierbar, aber wenn es Mitte August in die intensive Phase der Regenzeit kommt, wird es schwer nach San Ramon zu gelangen, da der Weg dorthin sehr schlammig wird.

 

Als ich bei  Maynors Haus  ankam, war er gerade am Strand spielen. Da es im letzten Jahr in der Regenzeit mehr als ueblich geregnet hat, waren mehrere Ortsteile San Francisco Libres von einer Ueberschwemmung des Managuasees betroffen; so auch San Ramon. Der Managuasee reichte letztes Jahr im September noch bis in den Garten von Maynors Familie und ueberschwemmte den Brunnen. Mittlerweile ist der See durch die Trockenzeit aber wieder zurueckgegangen und grenzt nun an den Garten. Somit hat Maynor einen Strand zum spielen direkt vor seiner Haustuer. Als Maynors Vater ihn herholte, erzaehlte Maynor mir, dass er sehr gerne mit seinen Freunden am Strand spielt und dort am liebsten auf den Baeumen klettert, die durch die Ueberschwemmung zur Haelfte aus dem Wasser herausragen.

Die  weltwärts-Freiwilligen 2011/12 mit den Mitarbeiterinnen der Bibliothek (von links): Josselyn Guevara und Regina Kalysch (Stipendienprojekt), Andreas Kirchhoff, Emma Ocón und Nora Tormann (Jugendarbeit), André Sacharow (landwirtschaftliche Projekte)
Der Managuasee reichte bis in Maynors Garten
Hier muss Maynor taeglich Wasser holen
Die Kochstelle der Familie Urbina
Maynors Neffe vor der Kochstelle

Nach dem ausruhen, spielt Maynor am liebsten mit seinen Freunden, Geschwistern oder Cousins. „Zu seinen Hausaufgaben muss ich Maynor immer draengen, sonst wuerde er den ganzen Tag nur spielen“, sagte die Mutter schon ein wenig aergerlich.


Maynors Lieblingsessen ist frittiertes Huehnchen mit Gallo Pinto (uebersetzt: Bunter Hahn, typisch nicaraguanisches Essen aus Reis und Bohnen) und Cuajada (ein sehr intensiver einheimischer Kaese). Den Cuajada macht Maynors Mutter selbst. Die Milch dafuer holt sie von Maynors Grossvater, der vier Kuehe besitzt. Nachdem wir uns von der Familie verabschiedeten, gab sie uns sogar ein wenig von ihrem selbstgemachten, sehr leckeren Cuajada mit und versorgte uns somit gut fuer die anstrengende Rueckfahrt aus San Ramon.

 

 

Außer dem Austausch von Briefen, Geschenken, Videos u. ä.  finden in Oldenburg in verschiedener Form Treffen und Informationsveranstaltungen mit dem Nicaraguaverein und Stipendien-UnterstützerInnen statt.

 

Maynors Schwester Cindy
v.l. Maynors Mutter, Maynors Neffe, Maynor, Maynors kleiner Bruder Andy, Josseling (Zustaendige fuer das Stipendiatenprojekt), ich und Maynors kleine Schwester Cindy

Im Februar 2012 informiert Leonie Bojert (hinten links), ehemalige Freiwillige im Stipendienprojekt, die SchülerInnen und Lehrkräfte der Grundschule Haarentor über die aktuelle Situation in San Francisco Libre.

Lea Bausch

Im Juni 2012 informiert Nora Torman, die gerade ihr Jahr als Freiwillige in Nicaragua beendet hat, beim vierteljährlich stattfindenden Treffen mit den Nicaragua-Verantwortlichen aus allen Klassen der Helene Lange Schule: gezeigt werden u. a. Videos von der Übergabe der Weihnachtsgeschenke, die die Klassen für ihre StipendiatInnen mitgegeben hatten.

 

Bei diesem Treffen stellen sich auch bereits

 

Lea Bausch                                                 und Lea Sante

 

vor, zwei Abiturientinnen der HLS, die im Juli ihren weltwärts-Dienst in San Francisco Libre beginnen und dann den Kontakt organisieren werden.

Lea Sante
Kooperation zum Thema „Globales Lernen“

Im Jahr 2007 hat die Kultusministerkonferenz zusammen mit dem BMZ den „Orientierungsrahmen für den Lernbereich Globale Entwicklung“ herausgegeben, mit dem das Lernen in globalen Zusammenhängen in den Schulen verankert werden soll. Eine der niedersächsischen Pilotschulen zur Entwicklung entsprechender konkreter Unterrichtskonzepte ist die Helene-Lange-Schule.


Die HLS hat das Nicaragua – Stipendienprojekt von Beginn an engagiert unterstützt. Da das Projekt zahlreiche Ansatzpunkte zur Konkretisierung und Veranschaulichung von Lerninhalten des Globalen Lernens in verschiedenen Unterrichtsfächern bietet, hat die Schule den Nicaraguaverein zur Mitarbeit an der Konzeptentwicklung eingeladen. Auch mit der Graf-Anton-Günther-Schule als 2. Oldenburger „Pilotschule“ haben erste Gespräche über eine Zusammenarbeit beim Globalen Lernen stattgefunden.
Stipendienprojekt und „Globales Lernen“


Die Bedeutung des Stipendienprojekts lässt sich nicht allein durch die Anzahl vergebener Stipendien und deren Auswirkung auf die Situation in Nicaragua beschreiben. Was das Projekt in Oldenburger Schulen erfolgreich macht, ist auch seine Bedeutung für die pädagogische Arbeit hier.


Von Beginn an haben Lehrkräfte mit der Unterstützung des Stipendienprojektes in der Schule auch ein pädagogisches Ziel, die Erziehung zur sozialen Verantwortung, verbunden. Die Übernahme eines Stipendiums bietet die Möglichkeit, durch die Verpflichtung zu einer mehrjährigen kontinuierlichen Unterstützung und durch den direkten Kontakt mit einer konkreten Person Verantwortung als langfristige, dauerhafte Aufgabe zu begreifen, die über eine spontane Hilfsbereitschaft in Notsituationen hinaus geht und für die Beteiligten durchaus auch sehr mühsam werden kann.


Gleichzeitig bietet das Projekt zahlreiche Ansatzpunkte für die Konkretisierung und Veranschaulichung von Inhalten verschiedener Unterrichtsfächer und kann so das Lernen und Denken in globalen Zusammenhängen unterstützen. Vom Sachunterricht der Grundschule zum Thema „Leben in anderen Ländern“ an über geschichtliche, politische und geografische Themen wie Kolonialismus, Entwicklungsländer, tropischer Regenwald, Naturkatastrophen und verschiedene Bereiche im Fach Werte und Normen/Religion lassen sich Unterrichtsinhalte in eine Verbindung zur konkreten Lebenssituation in Nicaragua stellen oder sich sogar ein direkter inhaltlicher Austausch dazu herstellen.


Im Rahmen einer Kooperation zum Globalen Lernen mit San Francisco Libre wäre beispielsweise eine Zusammenarbeit am Themenbereich Klimawandel möglich, die die örtlichen Probleme der Abholzung und Müllverbrennung ebenso einbezieht wie die beeindruckende Artenvielfalt im dortigen Umweltzentrum La Guayabita und beides in eine Beziehung zur globalen Entwicklung stellt.


Viele weitere pädagogische und didaktische Überlegungen zum Thema, die schon seit langem beispielsweise im Projekt „Eine Welt in der Schule“ an der Uni Bremen entwickelt und zusammen getragen wurden, haben inzwischen auch auf höherer Ebene eine offizielle Bestätigung und Systematisierung erfahren. Im Juni 2007 wurde als Ergebnis eines gemeinsamen Projektes der Kultusministerkonferenz und des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung der „Orientierungsrahmen für den Lernbereich globale Entwicklung im Rahmen einer Bildung für nachhaltige Entwicklung“ veröffentlicht. Der Orientierungsrahmen enthält Aussagen zu Kompetenzen, Themen und Leistungsanforderungen für den Lernbereich „Globale Entwicklung“ in der Grundschule, der Sekundarstufe I und der beruflichen Bildung und versteht sich als Plattform für eine Ausdehnung auf die Sekundarstufe II.  Die fachdidaktischen Zugänge werden für den Sachunterricht und Religion in der Grundschule sowie für die Naturwissenschaften, Geographie, politische, ökonomische und berufliche Bildung sowie Religion/Ethik in der Sekundarstufe I dargestellt. Die Veröffentlichung soll konkrete Hilfen und Anregungen für Kolleginnen und Kollegen, für Schulprogramme, für die Lehrplangestaltung und auch für Nichtregierungsorganisationen, die sich an der schulischen Bildung beteiligen wollen, bieten.


Der Orientierungsrahmen kann von der Webseite des Bremer Projektes unter folgender Adresse herunter geladen werden: www.weltinderschule.uni-bremen.de


„Unter dem Leitbild nachhaltiger Entwicklung zielt die Bildung im Lernbereich Globale Entwicklung insbesondere auf grundlegende Kompetenzen für  … eine Mitverantwortung im globalen Rahmen.“


In diesem Zusammenhang kann auch das schulische Engagement für das Stipendienprojekt des Nicaragua-Vereins gesehen werden. Zur Information über das Projekt können Sie beim Verein Informations-flyer und den (etwas älteren) Film „Heysel kann lesen“ erhalten. Eine umfangreiche Materialkiste zum Thema „Nicaragua“ als Hilfe zur Unterrichtsgestaltung kann kostenlos beim Projekt „Eine Welt in der Schule“ unter folgender Adresse ausgeliehen werden:

Neues Projekt „Studienstipendien“

 

In 13 Jahren Stipendienprojekt konnten zahlreiche Kinder und Jugendliche in San Francisco Libre mit Unterstützung aus Oldenburg die Schule besuchen und mit einem Abschluss erfolgreich beenden.


Die Aufnahme einer dauerhaften und angemessen entlohnten Erwerbstätigkeit ist jedoch auch in Nicaragua mit dem allgemein bildenden Abschluss allein nur selten möglich. Trotz einer guten schulischen Bildung sind viele, so auch einige ehemalige StipendiatInnen des Nicaragua-Vereins, arbeitslos oder gezwungen, in völlig ungesicherten Beschäftigtenverhältnissen und unter extremen Arbeitsbedingungen wie z.B. in den Weltmarktfabriken der Freihandelszonen, zu arbeiten oder im Ausland nach Arbeit zu suchen, um den Lebensunterhalt der Familie zu sichern.

In der Auswertung des Projektes ist deshalb im Nicaragua-Verein schon seit längerer Zeit das Ziel entstanden, das Stipendienprojekt zu erweitern und auch für Ausbildungen an einer Universität Unterstützungen zu organisieren, die den jungen Menschen eine berufliche Zukunft ermöglichen können. 


Durch den engen Kontakt, der sich zwischen einigen StipendiatInnen und ihren UnterstützerInnen, den Freiwilligen, die im Projekt gearbeitet haben, oder ihren Verwandten bzw. den TeilnehmerInnen von Jugendreisen und/oder Vereinsmitgliedern entwickelt hat, ist dies nun möglich geworden.


Sechs junge SchulabsolventInnen erhalten zurzeit ein Studienstipendium in der Höhe zwischen 30 und 40 Euro monatlich für eine Ausbildung an der Universität in Managua, das organisatorisch über den Nicaragua-Verein und APREDEN vermittelt wird.

Sonia Diaz - ein Kurzporträt und ein Brief der ehemaligen Schulstipendiatin, die jetzt ein Studienstipendium erhält

 

Sonia Diaz

Sonia ist mit 21 Jahren die aelteste Tochter von Esperanza Vicenta Ordoñez Castellón und Cipriano Diaz Valle.  Sie hat jahrelang unter der Woche gearbeitet und ist samstags zur Schule gegangen; letztes Jahr hat sie nun ihr Abitur bestanden.  Ihre drei Geschwister gehen weiter zur Schule:  Samuel mit 19 Jahren in das fuenfte Jahr der Sekundarstufe II (=12. und damit letzte Klasse), Herminia mit 16 in die achte und die 13-jaehrige Griselda in die sechste Klasse.


Sonia wohnt zusammen mit ihrem Ehemann Sergio Miranda und der zweijaehrigen Tochter Darmali in Los Pochotillos.  Sie arbeitet wochentags von 8 bis 11.30 Uhr in einer Vorschule der Gemeinde mit zehn Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren.  Dort kriegt sie allerdings kein Gehalt, sondern nur eine kleine Hilfe, die (manchmal) alle drei Monate ankommt.  Bis vor Kurzem hat sie zusammen mit ihrem –damals- Freund bei den Eltern gewohnt, aber der Vater hat gefordet, dass sie heiraten und ausziehen.  Also sind sie vor einem Jahr in ein eigenes Haus genau nebenan umgezogen, doch anstelle des Daches gibt es bisher nur eine Plastikfolie.  Denn Sergio hat seine Arbeit verloren und hilft nun ohne festen Lohn auf dem Land seines Vaters und des Schwiegervaters aus, saet Mais und Bohnen.
 

Sonia erzaehlt von einem normalen Tag in ihrem Leben:

„Ich wache morgens um vier Uhr auf, setze mich im Bett auf und bete zu unserem Herren.  Dann stehe ich auf, um das Fruehstueck vorzubereiten.  Als erstes bringe ich das Feuerholz zum Brennen und wasche den Mais, um damit Tortillas zu machen.  Schon frueh koche ich ausserdem den Reis fuer den ganzen Tag und Bohnen fuer zwei Tage.  Sergio steht um fuenf Uhr auf, holt Wasser vom Fluss, waescht sich, fruehstueckt und geht bis mittags aufs Feld arbeiten.


Darmali und ich fruehstuecken zusammen, ich wasche ab, fege, mache sauber, wasche die Waesche und samstags buegele ich.  Dann dusche ich, bringe Darmali in den Kindergarten und gehe in die Vorschule.  Wenn ich zurueck nach Hause komme, mache ich das Mittagessen warm.  Wir essen und ruhen uns ein bisschen in der Haengematte aus, so bis zwei Uhr.  Nachmittags muss ich den Unterricht planen und um vier Uhr bereite ich das Abendessen zu.  Nach dem Essen gehen wir zu den Nachbarn und unterhalten uns.  Bei meiner Halbschwester gucken wir eine Stunde Fernsehen, denn sie hat eine Solarzelle.  Und um acht Uhr gehen wir schlafen.


In der Vorschule machen wir ganz verschiedene Sachen.  Zum Beispiel gestalten wir „Ecken der Natur“ mit Zeitungspapierresten oder mit Buechern, die nicht mehr zu gebrauchen sind.  Wir schneiden Schnitzel aus und kleben diese  auf. Und wir machen Kollagen mit den Bildern der Kinder und mit den Blaettern von Baeumen und manchmal basteln wir Instrumente aus Pflanzen.  Es gibt z.b. eine Frucht, Jícaro, die rund und stabil ist, fast wie ein Holz.  Daraus kann man gut Trommeln machen.

Darmali, Sonia und Sergio vor ihrem Haus
Sonia u. ihre Tochter Darmali
Sonia´s Haus

Leider fehlt uns ziemlich viel.  Wie haben ueberhaupt keine Kinderbuecher zum Vorlesen oder Angucken.  Frueher hatten wir mehr Materialien, aber jetzt fehlt dafuer das Geld.  Aber immerhin ist noch weisses Papier und Tusche uebrig.“


Unter der Woche wird Sonia weiter unterrichten und fuer das Studium ab Juni jeden Samstag mit dem Bus nach Managua fahren.  Eigentlich haette sie dieses Jahr als Schulabgaenger noch gar nicht Lehramt studieren koennen, denn der Staat hat festgelegt, dass erst einmal alle Lehrer ihr Studium nachholen muessen.  Frueher war kein Studium notwendig, denn nach der Revolution haben im Rahmen der Alphabetisierung einfach diejenigen, die schon schreiben und lesen konnten, es den anderen in der Schule gezeigt.  Doch da Sonia schon fuenf Jahre lang in der Vorschule unterrichtet hat, erst komplett freiwillig, dann mit jener unregelmaessigen Bezahlung, wird sie als Lehrerin anerkannt und ihr das Studium ermoeglicht.

Wenn sie in drei Jahren ihren Abschluss in der Tasche hat, moechte sie in der Grundschule in ihrem Dorf unterrichten.

 

Wie können Sie mitmachen?

Wenn Sie daran interessiert sind, das Stipendienprojekt zu unterstützen, wenden Sie sich an Alexa vom Berg.

Graf-Spee-Str. 44, 26123 Oldenburg
Tel. / Fax: 0441 / 9694994
E-Mail:

Monatliche Treffen
 

Jeden 2. Donnerstag im Monat um 19 Uhr im Beppo's, Auguststr. 57, Oldenburg

 
 
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